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Ethik und Nachhaltigkeit

Aktuelles

Prof. Dr. Rainer Luick, 17. Januar 2018
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Vielfalt in Gefahr – Bemerkungen zur Biodiversität in mitteleuropäischen Kulturlandschaften

Die so genannten Planetary Boundaries (Belastungsgrenzen des Planeten Erde) sind ein Konzept über die ökologischen Grenzen der Erde. Die Planetary Bounderies priorisieren neun für das System Erde essentielle ökologische Dimensionen und definieren für diese Dimensionen globale Grenzwerte. Im Einzelnen sind das: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, biochemische Kreisläufe, Übersäuerung der Ozeane, Süßwasserverbrauch, Landnutzung, stratosphärischer Ozonabbau, Atmosphärische Aerosole und Belastung durch Chemikalien. Wird eine Grenze überschritten, ist mit der Gefahr irreversibler und plötzlicher Umweltveränderungen auszugehen, die die Bewohnbarkeit der Erde für die Menschheit einschränken. Drei dieser ökologischen Dimensionen haben bereits quantifizierbar die Belastungsgrenzen überschritten; das sind Klimawandel, Stickstoffkreislauf und in besonderer Dramatik der Verlust an Biodiversität.
In der Erdgeschichte gab es bislang fünf Massensterben von Organismen; die Ursachen waren jeweils natürliche Ereignisse und Prozesse. Seit geraumer Zeit wird ein sechstes Massensterben festgestellt, das an Dramatik und Dimension ständig zunimmt und seine Ursachen allein im anthropogenen Handeln hat. Es sterben 1.000 bis 10.000-fach mehr Arten aus als dem natürlichen Verschwinden von Arten zuzurechnen wäre.
Dramatische Verluste an biologischer Vielfalt gibt es auch bei uns in Deutschland / in Baden-Württemberg und hier vor allem in den Ökosystemen außerhalb des Waldes also in unseren Kulturlandschaften. In den vergangenen Monaten wurden u. a. Untersuchungen publiziert, dass in den vergangenen 3 Jahrzehnten rund 80 % der Insektenbiomasse in den Offenlandökosystemen verschwunden sind.
Der Vortrag von Prof. Dr. Rainer Luck beleuchtet die Situation der Biodiversität, benennt die Ursachen für die dramatischen Entwicklungen und diskutiert auch die dringend notwendigen Handlungskonzepte für Verbesserungen.


Dr. Joachim Eberle, Geographisches Institut der Universität Tübingen
Georisiken und aktuelle Geomorphodynamik in Süddeutschland im Kontext des Klimawandels

Joachim Eberle ist Geograph, der bereits in vielen Teilen der Welt geforscht hat und als Dozent neben Vorlesungen auch jedes Jahr mehrwöchige Exkursionen für Studierende anbietet. Schon in den 1990er Jahren, während seiner Dissertation, beschäftigte er sich mit den Auswirkungen des Klimawandels in hochpolaren Regionen. Auf mehreren Expeditionen nach Spitzbergen untersuchte Joachim Eberle Stofftransporte in polaren Geosystemen und erforschte insbesondere die Auswirkungen der Erderwärmung auf Böden und geomorphologische Prozesse dieser extremen Räume.
Neben mehreren Forschungsaufenthalten in Namibia und den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt sein Interesse aber auch immer schon Süddeutschland, das für ihn eine der abwechslungsreichsten Landschaften der Erde auf ganz kleinem Raum bietet. Dies belegt er seinem Lehrbuch "Deutschlands Süden", das 2017 bereits in der dritten Auflage im Springer Verlag erschienen ist und das inzwischen als regionales Standardwerk für Studierenden der Geowissenschaften gilt. Auch sein 2015 erschienener Geowanderführer der Region Stuttgart hat viele an der Natur interessierte Menschen zu Erkundungen vor der eigenen Haustüre ermuntert.
Auch in Süddeutschland findet der Klimawandel statt und erste Auswirkungen sind unübersehbar. In den letzten Jahren kam es in Süddeutschland vermehrt zu extremen Niederschlagsereignissen und als Folge davon zu Massenbewegungen und Hochwässern, die große Schäden verursacht haben. Ereignisse wie die Sturzflut von Braunsbach im Juni 2016 haben ein bislang aus Mittelgebirgen nicht bekanntes Zerstörungspotential erreicht. Auch größere Rutschungen am Trauf der Schwäbischen Alb und lokale Überschwemmungen sind immer häufiger zu verzeichnen. Im Vortrag werden die oft vielfältigen Ursachen und Folgen solcher Ereignisse erläutert.
Welche Rolle spielt dabei der Klimawandel? Auf diese und viele weitere Fragen erhalten wir am 24. Januar 2018 sicher spannende Antworten. Wir freuen uns auf Sie.

Text: Sandy-Cheril Manton


Nachtrag zum Vortrag: Vom Anfang und Ende des Kapitalismus
Gastvortrag von Ulrike Herrmann an der Hochschule Ravensburg-Weingarten
am 6. Dezember 2017 (Das Video des Vortrags finden Sie hier)


Weingarten – Viele Interessierte waren zum Vortrag von Ulrike Herrmann im Rahmen der Veranstaltungsreihe Nachhaltige Entwicklung gekommen. Der Hörsaal H061 war bis auf den letzten Platz besetzt.

Professor Dr. Wolfgang Ertel, Beauftragter für Nachhaltige Entwicklung, begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer und stellte die Referentin vor: Ulrike Herrmann hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert und anschließend Geschichte und Philosophie an der FU Berlin studiert. Sie ist Wirtschaftskorrespondentin der Tageszeitung „taz“ und hat mehrere Bestseller veröffentlicht. In ihrem Vortrag präsentiert sie ihr Buch „Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen“ (Piper 2015).

Zu Beginn gab Herrmann einen historischen Überblick über die Zeit vor und während der Entstehung des Kapitalismus und erklärte, dass es zahlreiche Theorien dazu gibt, warum die Industrialisierung ausgerechnet um 1760 in England begann. Die für sie überzeugendste Theorie, die sie auch dem Publikum vorstellte, besagt, dass die englischen Löhne im 18. Jahrhundert die höchsten der Welt waren und die Briten somit nicht mehr konkurrenzfähig waren. Der Einsatz von Maschinen, die den Mensch ersetzten, lohnte sich nun zum ersten Mal in der Geschichte.

Drei schwere Finanzkrisen in zehn Jahren

Nach dem Rückblick auf einige bedeutende Ereignisse in der Wirtschaftsgeschichte, sprang Herrmann im zweiten Teil ihres Vortrags in die Gegenwart: „Der Kapitalismus tritt in eine neue Phase ein, die wir in dieser Form noch nie gesehen haben. Das erkennt man daran, dass es in zehn Jahren drei schwere Finanzkrisen gab.“ Gegeben habe es Finanzkrisen im Kapitalismus schon immer, jedoch nicht in dieser schnellen Abfolge. Für den Kapitalismus seien Finanzkrisen nicht sehr gefährlich, aber „sie bergen das Risiko, dass am Ende die Demokratie abgeschafft wird und ein rechtsradikaler oder rechtspopulistischer Führer an die Macht kommt“, so Herrmann.

Kapitalismus ist ein globales Phänomen

Die Autorin ist überzeugt, dass der Kapitalismus politisch gesteuert werden muss, sodass die Löhne mit der technischen Entwicklung steigen. Sie geht davon aus, dass der Kapitalismus zusammen brechen wird, vor allem weil zum Beispiel wir Deutschen die Grenzen der Belastbarkeit der Umwelt schon um den Faktor drei überschritten haben und meinte: „Vielleicht ist das Ende des Kapitalismus genauso wie sein Anfang: das neue System ist schon da, nur wir sehen es noch nicht“.

Im Anschluss an den Vortrag moderierte Ertel eine Diskussionsrunde, in der die Besucherinnen und Besucher ihre Fragen an die Referentin stellen konnten. So fragte einer der Teilnehmer, wie man das Ende des Kapitalismus gestalten könne und ob die Politik dabei bisher versagt habe. Herrmann erklärte, dass die Transformation des Kapitalismus noch gar nicht modelliert sei und es noch keine Lösungen oder Theorien dazu gebe. Daher liege die Verantwortung zuerst bei den Ökonomen, die der Politik einen Weg aus dem Kapitalismus vorgeben sollten. Einig waren sich die Beiden aber darin, dass diese Transformation – wie auch immer sie aussehen mag – nicht ruhig und friedlich ablaufen wird. Auch nach der Diskussionsrunde nutzten viele Interessierte die Gelegenheit persönlich mit der Referentin ins Gespräch zu kommen, die sich viel Zeit nahm. Der Vortrag wurde auf Video aufgezeichnet und kann hier abgerufen werden.

Text: Katharina Koppenhöfer