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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2008

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Studieren auf der Feuerinsel im Nordatlantik


Als wir uns vor gut einem Jahr entschieden haben, nach Island an unsere Partnerhochschule, der Reykjavik University zu gehen, fragten uns viele, wieso gerade Reykjavik, wieso gerade Island. Unsere Antwort war meist, dass dies eine besondere und einzigartige Insel ist, sie hat etwas Spezielles und ist den meisten Menschen noch unbekannt. Dies sollte sich später als wahr herausstellen.
Auch wir wussten zuvor nicht besonders viel über diese Insel. Wir wussten, dass sie kurz vor dem Nordpolarkreis liegt und zu Skandinavien gehört, dass sie nicht besonders groß ist, und dass Reykjavik die Hauptstadt ist. Nach den ersten Internetrecherchen stellten wir fest, dass die Insel etwa 280.000 Einwohner hat und davon rund Zweidrittel, also ungefähr 180.000 Menschen in Reykjavik und Umgebung leben. Außerdem fanden wir heraus, dass Island eine Fläche von etwa 100.000 Quadratkilometern hat, das ist so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Die Lebenshaltungskosten sind ungefähr zweieinhalbmal so hoch wie in Deutschland, wobei der Lebensstandard mit unserem vergleichbar ist.


Als wir am 12. August 2007 in den Flieger Richtung Reykjavik einstiegen, waren wir sehr gespannt und etwas nervös, was uns in diesem Land erwarten würde. Aber als wir nach einer 45-minütiger Busfahrt vom International Airport in Keflavik am Busbahnhof in Reykjavik schon von zwei unglaublich netten Reykjavikanischen Studenten (unseren Buddys) abgeholt wurden, die uns gleich die erste kleine Stadtführung boten, wurde uns die Angst genommen. Sie brachten uns anschließend zu unseren Gastfamilien, bei denen wir die ersten drei Wochen unseres Aufenthaltes wohnen durften.
Die Verständigung mit den Isländischen Einwohnern war von Beginn an kein Problem. Zwar sprechen die Einheimischen ihre Muttersprache Isländisch (germanischen Ursprungs), aber die englische Sprache wird dort von etwa 95 Prozent der Bevölkerung gesprochen, wodurch man sich mit jeder Altersklasse ohne Probleme unterhalten kann.
Die ersten Tage an unserer neuen Universität wurden für uns zu einem echten Highlight. In der Einführungswoche wurde uns die hochmoderne Privatuniversität (Studiengebühren dort betragen umgerechnet 3.000 bis 4.000 Euro pro Semester, von denen wir freigestellt wurden) mit rund 2.000 Studierenden (vergleichbar mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten) näher gebracht. Man kann diese Universität unter anderem rund um die Uhr an sieben Tage in der Woche mit einer speziellen Key Card betreten. In dieser ersten Woche lernten wir alle anderen Erasmusstudenten (rund 40) aus ganz Europa kennen.
Über das erste Wochenende organisierte die Universität einen „Campingtrip“, hier nahmen 400 Studenten der gesamten Universität teil, und man lernte dadurch einheimische Studierende schnell kennen. Vom International Office und der International Student Association wurde das ganze Semester über Ausflüge wie Bootsfahrten, Bowling- Abende oder Karaoke-Abende organisiert. Diese Stellen waren auch immer eine Anlaufstelle bei Problemen und Fragen.
Nach dieser Einführungswoche begann der normale Studienalltag an der Universität und uns wurde schnell klar, dass man hier auch sehr viel leisten muss, um mit guten Resultaten nach Hause zu fahren. Das etwas andere Prüfungssystem und das allgemein hohe skandinavische Bildungsniveau machten uns Anfangs noch sehr zu schaffen. Auch deshalb investierten wir fortan viel Engagement und Fleiß in die belegten Fächer, was sich schlussendlich bezahlt machte.

Doch auch die Erkundung der Insel blieb nicht auf der Strecke, so bereisten wir die Südküste mit ihren wunderschönen schwarzen Vulkanstränden, den unzähligen Wasserfällen und dem Eissee Jökulsarlon, die Westküste mit den langgezogenen schneeweißen Sandstränden in unmittelbarer Nähe zu den Gletschern oder die Nordküste, an der wir die zweitgrößte Stadt Islands, Akureyri (sage und schreibe 17.000 Einwohner) erkundet haben.
Außerdem erlebten wir noch einen Abenteuertrip mit unseren Buddys (einheimischen Studenten, die diesen Trip privat für uns organisierten) ins Landesinnere am Fuße des Vatnajökull (dem größten Gletscher Islands). Hier sind wir in einen Schneesturm geraten, in dem unsere riesigen Jeeps mehrmals stecken blieben, so dass wir Stunden brauchten, bis wir sie wieder von den Schneemassen befreien konnten. Wir waren froh, als wir abends in unserer Blockhütte angekommen waren und das Nationalgericht Lamm (im Erdloch gegrillt) mit Kartoffeln genießen konnten. Aber die ganze Mühe hatte sich wirklich gelohnt! Am nächsten Tag fuhren wir an einem wunderschönen Wintertag an eine unberührte heiße Quelle, in der wir bei ungefähr 39 Grad baden konnten. Weit und breit keine Menschen, nur die schneebedeckten Berge, die heiße Quelle und wir – Momente die unvergesslich bleiben.
Auch die touristischen Attraktionen wie den „Golden Circle“, mit den beeindruckenden Geysiren, dem gigantischen Wasserfall Gulfoss und dem einzigartige Nationalpark Þingvellir haben wir uns nicht entgehen lassen. Auch das Partyleben kam in Reykjavik nicht zu kurz. Die Clubs sind absolut außergewöhnlich und bieten für jeden das Richtige. In Island ist es nicht ungewöhnlich, erst um Mitternacht auf Tour zu gehen und spät am Abend beziehungsweise früh am Morgen wieder heim zu kommen. Die Clubs und Bars schließen erst morgens um 7 Uhr.
Aufgrund unserer Semesterzeit von August bis Dezember konnten wir lang ausgedehnte Tage im Sommer und sehr kurzen Tage im Winter miterleben. Zu Recht sind die Isländer sehr stolz auf ihre wunderschöne, kleine und einzigartige Insel im Nordatlantik, die trotz ihres rauen Klimas auf Grund der Lage am Golfstrom milder ist, als man glaubt. Abschließend wollen wir noch sagen, dass die Reise in dieses „unbekannte“ Land sich für uns auf jeden Fall mehr als gelohnt hat. Die Natur auf der Insel ist einzigartig, die Menschen sind höflich, gastfreundlich und hilfsbereit. Für unser Leben war dieses Erlebnis auf Island sehr bereichernd. Diese Zeit wird für uns unvergesslich bleiben.



19.10.10
Students abroad in Konzepte

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