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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2008

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Zwei Spanier in Weingarten erzählen über organisierte Deutsche und neue Freunde


„Unser erster Tag in Weingarten war unglaublich“, lachen Ramón Taboada Salvatierra und Iván Cornado López aus Santiago de Compostela in Spanien. Etwas traurig und mit Heimweh seien sie durch das beschauliche Städtchen geschlendert, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. „Wir gingen um die Basilika herum und stießen auf einen Wegweiser auf dem stand: ‚Santiago de Compostela: 2.108 Kilometer‘. Das war eine gute Nachricht, “ schmunzelt Ramón. So weit entfernt von zu Hause auf ein Schild Richtung Heimatstadt zu treffen – damit hatten die beiden wirklich nicht gerechnet. Die 26-Jährigen studieren Elektrotechnik in Vigo, an einer Partnerhochschule der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Sie sind nach Deutschland gekommen, um in Weingarten ihre Abschlussarbeit bei Professor Dr. Günther Kastner zu schreiben.


„Ich wollte meinen Abschluss in einem anderen Land machen und habe mir alle Möglichkeiten genau angeschaut. Deutschland erschien mir am Besten geeignet, es ist das ideale Land für Ingenieure“, erklärt Ramón. Für ein Semester haben er und sein Freund Iván deshalb Weingarten als neue Heimat auserkoren. Ein bisschen skeptisch seien sie zunächst gewesen, denn viele Spanier haben ein ganz bestimmtes Bild von den Deutschen. „Der typische Deutsche ist nicht sehr sympathisch und meistens schlecht gelaunt, doch da lagen wir falsch.“ Stattdessen sei es in Deutschland so wie in Spanien auch. Die meisten Menschen seien nett und freundlich und Ausnahmen gibt es überall auf der Welt.

Doch eins habe sich bestätigt: Die Deutschen sind sehr organisiert. „An unserem ersten Tag im Antriebstechnik-Labor zeigte uns Professor Kastner alles und hat uns alles erklärt. Und wenn ich sage alles, dann meine ich wirklich alles. Auch wie man die Tassen nach dem Kaffeetrinken sauber macht.“ Bald schon gewöhnten sich die Studenten an die Routine im Labor, doch ganz so früh wie ihre Mitstreiter schafften sie es nicht aus den Federn. „Wir stehen am Morgen zwischen acht und halb neun auf, das ist für deutsche Verhältnisse nicht besonders früh.“

Tagsüber arbeiteten die Studenten an ihrem Projekt. Sie führten Untersuchungen an einem Prüfstand für Gleichstrommotoren durch, um zum Beispiel den Wirkungsgrad und die Leistung der Motoren herauszufinden. Außerdem beschäftigten sie sich damit, wie man Motoren mit programmierter Elektronik ansteuern kann. „Es war interessant mit ihnen zusammen zu arbeiten“, erzählt Professor Günther Kastner. Nur mit dem deutschen Notensystem hatten die Spanier Probleme. „Zehn ist die beste Note in Spanien. Und so war Ramón ganz verzweifelt über eine 1,7 in Englisch, weil das in Spanien schlechter als durchgefallen ist“, sagt Kastner. Das Wochenende nutzten die beiden Spanier, um die Umgebung besser kennen zu lernen. Mit dem Baden-Württemberg-Ticket reisten sie quer durch das Bundesland, nach Stuttgart, Meersburg oder Konstanz. Auch in die Schweiz, nach Österreich und Liechtenstein führten sie ihre Ausflüge. „Wir wollten die Gelegenheiten, die sich uns hier boten, voll und ganz ausschöpfen und so viel wie möglich erleben.“

Doch auch in Weingarten selbst lernten die Elektrotechniker fremde Welten kennen. „Wir haben Leute von allen Kontinenten getroffen, aus Vietnam, Weißrussland, Afrika. Das hätten wir nicht erwartet aber hier ist es möglich. In dieser kleinen Stadt hat sich fast die ganze Welt versammelt“, sagt Iván erfreut. Und noch eine Überraschung gab es: Viele Menschen hier sprechen Spanisch. „Wir waren verblüfft, als uns die Kassiererin im Supermarkt plötzlich auf Spanisch angesprochen hat.“ Das deutsche Essen hingegen kann die beiden Spanier nicht begeistern, zu wenig frischen Fisch für ihren Geschmack und auch an Sauerkraut finden sie keinen rechten Gefallen. „Aber das deutsche Bier ist fantastisch“, loben sie.



19.10.10
Students abroad in Konzepte

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