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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2008

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Der Kolumbianer Edgar Mongui ist Ingenieur und Musiker


Mit siebzehn Jahren musste sich der Kolumbianer Edgar Mongui entscheiden, wie er seine Zukunft gestalten will. Er war sowohl in Mathe gut, als auch musikalisch begabt und hatte schon seit zehn Jahren viermal die Woche Klavierunterricht am Konservatorium in Bogotá. Doch die Wahl des richtigen Studiums fiel ihm trotzdem nicht schwer – er schrieb sich für Mechatronik ein. „Musik hat in Kolumbien keine Zukunft. Davon leben kann man in der Regel nicht“, meint der 25-Jährige, dessen beiden Brüder ebenfalls Ingenieure sind. Seit zwei Jahren studiert Mongui in Weingarten im internationalen Masterstudiengang Mechatronics.




Edgar Mongui hätte es wahrscheinlich auch als Musiker schaffen können, denn er stand regelmäßig als Keyboardspieler auf der Bühne. Damals war er Mitglied einer Band, die progressiven Rock spielte und abgesehen von ihm aus lauter Profimusikern bestand. Chef war Tom Abella. „He is really famous in Colombia“, betont der Student. Abella hatte den 16-jährigen Edgar Mongui bei einem Schulkonzert entdeckt und in seine Band aufgenommen. Sechs Jahre lang spielte Edgar bei Tom Abella. Höhepunkt der musikalischen Karriere war die Aufnahme der CD „Tinitus“. Mit „Tinitus“ (Gehörsturz) tourten Edgar Mongui und Kollegen durch Kolumbien. Auf einem Festival spielten sie vor 10.000 Zuschauern, Auftritte vor 2.000 Menschen waren Alltag. Bei YouTube kann man sich Stücke der Band anhören und Videos anschauen.



Vor zwei Jahren, nach bestandener Bachelorprüfung, verabschiedete sich Edgar Mongui dann endgültig von der Musikerkarriere. Er kam nach Weingarten, um Mechatronics zu studieren. Der Kolumbianer mag es, „Ideen zu entwickeln und dann zu sehen, wie sie funktionieren.“ In den Ingenieurwissenschaften habe man ein Problem und finde eine Lösung dafür. Edgar Mongui wählte für sein Masterstudium Deutschland, „weil es einen guten Ruf in der Technologie hat.“ Natürlich erhofft sich der Student auch Vorteile für seine Karriere. Zum einen sei ein Masterstudiengang hier besser als in Kolumbien, zum andern lerne er während seines Studiums zwei neue Sprachen. Im Alltag muss er Deutsch reden und die Vorlesungen sind komplett auf Englisch.

„Leider habe ich, seit ich in Weingarten studiere, keine Zeit mehr für eine Band“, bedauert er. Die Musik gehört aber trotzdem zu dem jungen Mann untrennbar dazu. Wer das Glück hat, Edgar in ein Haus einzuladen, in dem ein Klavier steht, ist bald fasziniert. Der Ingenieur und Musiker beherrscht nämlich nicht nur progressiven Rock, sondern auch ganz andere Klänge. Im Konservatorium lernte er schließlich Mozart, Bach und Beethoven kennen. Allerdings war die Ausbildung einseitig auf die europäische Klassik ausgerichtet. Dabei gibt es auch außergewöhnliche südamerikanische Komponisten, beispielsweise den Kolumbianer Lucho Bermúdez, dessen Musik Edgars Eltern liebten. „Wenn wir Besuch hatten“, erzählt Edgar, „hat mich meine Mutter immer aufgefordert, Bermúdez zu spielen.“ Viele Stücke beherrscht Edgar Mongui auswendig. Südamerikanische Tänze wie Bolero und Tango kommen den Zuhörern im deutschen Wohnzimmer in den Sinn.

Ein Klavier hat Edgar Mongui im Studentenwohnheim natürlich nicht stehen und auch kein Keyboard. Deswegen hat er vor einem Jahr angefangen, Gitarre zu lernen, was für den erfahrenen Musiker ziemlich einfach war. „Die Gitarre habe ich auf dem Weingartener Flohmarkt gefunden“, berichtet der Student verschmitzt. Neuerdings besitzt er auch noch eine E-Gitarre, ein Geschenk seines Bruders, das Edgar letztes Jahr nach einem Besuch in der Heimat mit nach Deutschland brachte.

Neben der Musik ist die Familie die zweite große Leidenschaft des Kolumbianers. Mit den Eltern und den beiden Brüdern telefoniert er zweimal die Woche übers Internet. Fast jeden Tag schreibt er E-Mails. Wenn sein Traum wahr wird, dann muss Edgar Mongui noch einige Zeit auf seine Familie verzichten. Denn gerne würde er nach dem Studium ein oder zwei Jahre in Deutschland arbeiten: „Am liebsten bei BMW.“

Svenja Wintersohl

Dezember 2008



15.11.10
Students abroad in Konzepte

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