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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2009

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BWL-Studentin in Weingarten



Gekochten Schweinskopf hat Dana Ceda aus Lettland an Heilig Abend „immer gerne gegessen“, wie sie sich erinnert. In Deutschland stieß diese kulinarische Tradition der Austauschstudentin jedoch auf wenig Begeisterung. „Verrückt, was ihr da esst!“, so die Reaktion einer Kommilitonin. Als Dana Ceda dann an Weihnachten wieder ihre Familie besuchte, war ihr dieser köstliche Schweinskopf, der da gekocht mit heraushängender Zunge auf dem Tisch stand, „nicht mehr ganz geheuer“. Andere Länder, andere Sitten!




Dana Ceda studiert an der Hochschule Ravensburg-Weingarten Betriebswirtschaft/Management. Lettland weist viele Unterschiede zu Deutschland auf, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Unter all dem Fremden hier in Oberschwaben erinnert der Klang der deutschen Weihnachtslieder die 22-Jährige an ihre Heimat. Familie Ceda singt nicht nur traditionelle lettische Lieder sondern auch internationalen Weihnachtshits wie „O Tannenbaum“ und „Stille Nacht“, nur eben mit lettischem Text. Auch das allseits beliebte „Jingle Bells“ hat unter dem lettischen Weihnachtsbaum inzwischen seinen Platz gefunden. In dem Fall aber in der Originalsprache: Englisch. Anders als in Deutschland ertönen in Lettland vor dem Weihnachtbaum nicht nur Weihnachtslieder, sondern auch Gedichte. „Jeder in unserer Familie“, erzählt Dana Ceda, „muss an Heilig Abend ein Gedicht aufsagen, sonst gibt es keine Geschenke – auch meine Eltern.“

Die junge Lettin kommt aus Liepaja, einer Stadt mit 90.000 Einwohnern. An ihrer Heimatstadt liebt sie die idyllische Lage an der Ostsee. Am schönsten sei es in Liepaja jedoch an Weihnachten, wenn die ganze Stadt im Lichterglanz erstrahlt. Ein Brunnen auf dem „Roses Square“ wird in der Vorweihnachtszeit zum Adventskranz. An jedem der vier Adventssonntage wird eine große Kerze angezündet. Der Weihnachtsbaum im Stadtzentrum ist riesengroß. Streng genommen handelt es sich nicht um einen Baum, sondern um 300 Einzelbäume, aus denen ein gigantischer Baum entsteht, wie ihn Dana Ceda in Oberschwaben noch nicht gesehen hat. Ist die Weihnachtsatmosphäre in Liepaja also unschlagbar? E scheint so. Eine Verbesserungsmöglichkeit schwebt Dana Ceda aber vor. „Einen Weihnachtsmarkt, wie er in Deutschland im kleinsten Städtchen stattfindet, haben wir in Liepaja leider nicht.“ Ginge es nach Dana Ceda, dann würde sie „den deutschen Weihnachtsmarkt nach Lettland bringen“.

Ist Weihnachten das wichtigste Fest im Jahr? Zumindest ist es eines der beiden wichtigsten. Ganz klar die Nummer Eins ist der Jani-Tag am 24. Juni, das Mittsommerfest, zu dem Familie Ceda immer aufs Land fährt. „In dieser Nacht schlafen wir nicht“, sagt die junge Frau, „wir tanzen. Wir feiern ausgelassen und lautstark, dass es in dieser Nacht nur wenige Stunden dunkel wird.“ Gesungen werden lettische Volkslieder, die eine lange Geschichte aufweisen und auch heute noch selbst bei Jugendlichen lebendig sind. Kulinarisch steht der Jani-Tag Weihnachten in nichts nach. Auf der Speisekarte stehen Bier, Kümmelkäse und Speckkuchen. Beliebt sind auch Schaschlikspieße, die über dem offenen Lagerfeuer gebraten werden.

Der Jani-Tag (das Johannisfest) ist ein traditionelles Fest und ganz anders als alles, was Dana Ceda in Oberschwaben erlebt hat. Bereits am Vorabend pflücken die Frauen Wiesenblumen und flechten sich diese ins Haar. Die Männer tragen selbstgebundene Kränze aus Eichenlaub auf dem Kopf. Um Mitternacht springen Junge und Alte, gemeinsam oder allein, über das Lagerfeuer, was Glück bringen soll.

Der Janis-Tag ist von Magie umgeben. Die Letten glauben, dass die Kräuter in dieser Nacht eine besonders heilende Wirkung haben. Auch Verliebte erliegen dem Zauber des Mittsommerfestes. Denn in der kürzesten Nacht des Jahres erblüht eine Pflanze, die nur an dieser Nacht blüht und sehr selten ist. Verliebte verbringen die ganze Nacht auf der Suche nach diesem geheimnisvollen Gewächs, und einige behaupten sogar sie hätten es gefunden.„Natürlich ist das reiner Aberglaube“, sagt Dana Ceda augenzwinkernd.

Dana Ceda, geboren 1987, kommt aus Liepaja/Lettland. Sie studiert Business Administration an der LCC International University in Klaipéda/Litauen. Mit Hilfe von ERASMUS studierte sie ein Semester an der Hochschule. Ihr Hobby ist Reisen.




15.11.10
Students abroad in Konzepte

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