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Öffentlichkeitsarbeit
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2009

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Erika Eichwald besucht Eltern ihres Sohnes


„In Deutschland ist es schön und in Indien ist es auch schön“
Sehenswürdigkeiten waren für Erika Eichwald auf ihrer Indienreise nicht wichtig. Die Lehrbeauftragte der Hochschule Ravensburg-Weingarten flog aus ganz anderen Gründen auf den indischen Subkontinent. Zum einen wollte sie einer Behinderteneinrichtung Spendengelder überbringen, zum andern die Familie ihres Sohnes besuchen.



Wer nun an verwickelte Familienverhältnisse denkt, hat Recht und liegt doch völlig daneben. Erika Eichwalds Sohn heißt Shri Ram Sampat, er hat an der Hochschule in Weingarten Mechatronics studiert und arbeitet in Oberschwaben. Seine Eltern lernte die deutsche Maschinenbauingenieurin im Jahr 2005 im indischen Chennai, dem früheren Madras, kennen. Als die Eltern sie am Flughafen abholten, überbrachte Erika Eichwald die Grüße des Sohnes, worauf die Mutter antwortete: „Now, he is your son too!“ Seitdem hat Shri Ram zwei Mütter: eine indische und eine deutsche. Die deutsche Mutter betreute den Inder im Rahmen des „Brother and Sister“-Programms des International Office der Hochschule und hatte somit eine Art Patenschaft für ihn übernommen.

Bei ihrem zweiten Besuch in Indien wohnte Erika Eichwald bei Shri Ram Sampats Eltern, die sie äußerst gastfreundlich aufnahmen und für sie das Schlafzimmer räumten. Erika Eichwald bemerkte dies erst, als sie eines Morgens früher aufstand und bemerkte, dass ihre Gastfamilie im Wohnzimmer auf Matten nächtigte. Shri Ram Sampat und seine Eltern sind gläubige Hindus, die regelmäßig im Tempel beten, sei es vor einer Reise, vor der Prüfung des Sohnes oder für den richtigen Ehemann der Tochter. Auch für Erika Eichwald haben sie um eine glückliche Indienreise gebetet.

„Obwohl die Familie sehr traditionell ist, ist sie sehr offen“, erzählt die Deutsche. An Heilig Abend begleiteten die Hindus die Protestantin zur Mitternachtsmesse in die katholische Kirche. Dies war das erste Mal, dass die Inder einen christlichen Gottesdienst besuchten. Doch sie hatten sich bereits einige Jahre vorher für eine christliche Stiftung eingesetzt, auf die sie Erika Eichwald bei ihrem ersten Besuch 2005 hingewiesen hatte, nämlich die Arche, in der behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammenleben. 135 Arche-Gemeinschaften gibt es weltweit in 30 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Zur Silberhochzeit wünschten sich Shri Ram Sampats Eltern keine Geschenke, sondern Geldspenden, die sie der Arche in Chennai zukommen ließen. Neben den Eltern ihres Sohnes war die Chennai-Arche der andere Grund für Erika Eichwalds zweite Reise nach Indien. Sie hatte in Oberschwaben gesammelte Spenden im Gepäck.

„Indien ist ein Land der Gegensätze“, sagt Erika Eichwald. Auf dem Subkontinent leben sehr reiche und sehr arme Menschen, aber mürrische Gesichter auf der Straße sind der Maschinenbau-Ingenieurin keine aufgefallen. Allerdings hat ihr nicht alles gefallen. Beispielsweise werde der Müll häufig auf die Straße geworfen und die extreme Verkehrsdichte trage ihr Übriges zur Umweltverschmutzung bei. Da viele Menschen ihrem Beruf wie Schuhmacher, Bäcker, Verkäufer neben und auf der Straße nachgehen, herrscht in der Stadt ein solches Chaos, dass es Erika Eichwald „manchmal Angst und Bange“ war. „In Deutschland ist es schön und in Indien ist es auch schön“, so lautet ihr Resümee.




Infokasten: Arche
Die Arche ist eine internationale und ökumenische Organisation. Sie hat weltweit Gemeinschaften gegründet, in denen Menschen mit und ohne geistige Behinderung in christlicher Weise zusammenleben. Jean Vanier (geboren 1928) ist der Gründer der Arche (L'Arche). 1964 nahm Vanier zwei geistig behinderte Männer (Raphaël und Philippe) in ein Häuschen in Trosly-Breuil, einem französischen Dorf bei Compiègne, dem ersten Haus der Arche, auf. In Deutschland gibt es bisher drei Arche-Gemeinschaften, in Ravensburg, Tecklenburg und Landsberg am Lech. Die Arche e.V. Ravensburg ist eine Treuhandstiftung der Stiftung Caritas „Lebenswerk Zukunft“, die das Vermögen verwaltet.

Weltweit existieren über 135 Archen in 30 Ländern (darunter auch Indien) auf allen fünf Kontinenten. In der Charta der Arche heißt es: „Es gehört zum tiefsten Wesen des Menschen, zu lieben und geliebt zu werden. Menschen mit einer Behinderung haben oft eine besondere Gabe, andere herzlich aufzunehmen. Durch ihre Einfachheit und ihr Angewiesensein können sie die Herzen anderer anrühren und Menschen zusammenbringen.“

www.arche-deutschland.de


Vita Erika Eichwald:
Erika Eichwald war von 1978 bis 1983 mit der Familie Entwicklungshelferin, seit 1983 ist die studierte Maschinenbauerin Lehrbeauftragte an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Sie hat drei Kinder und vier Enkel. Ehrenamtlich ist sie unter anderem in der Arche und dem Friedensbündnis Ravensburg tätig.




03.11.10
Students abroad in Konzepte

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