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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2009

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Praxissemester in Südafrika


Zwischen Tafelberg und Atlantischem Ozean
„Kapstadt ist ein Traum!“ Als ich Ende August in Kapstadt ankam, war ich dieser Aussage gegenüber eher skeptisch. Ich wusste nicht, was mich in der Fremde erwarten würde. Außerdem hat Kapstadt, beziehungsweise Südafrika, nicht den besten Ruf, vor allem was die Kriminalität angeht. Auch Stimmen aus dem Bekanntenkreis machten mir nicht gerade Mut: „Wie kannst du nur in Südafrika dein Praxissemester machen, da ist es doch sehr gefährlich.“ Aber das Gegenteil war der Fall.






Als ich nachts mit dem Flugzeug landete, war ich noch ein wenig desorientiert. Ein Fahrer der MTU hat mich und meinen Praxissemesterkollegen abgeholt und zu unserer „Villa“ gebracht. Ich wollte schon rechts ins Auto einsteigen, dann habe ich erst kapiert: Rechts ist das Steuer und auf der linken Straßenseite wird gefahren! Neuland für mich! Wir lebten in einem Haus in dem Vorort Table View mit Pool, großem Grundstück und Braai-Stelle. Braai ist Afrikaans und bedeutet „braten“. Wir hatten also unseren eigenen Grillplatz! Außerdem war das Haus mit allem ausgestattet, was man braucht und wir konnten uns sogar eine Putzfrau leisten, die einmal in der Woche kam – ganz anders als mein Studentenleben in Deutschland!

Mein Praxissemester absolvierte ich bei der MTU South Africa mit Hauptsitz in Milnerton, einem Vorort von Kapstadt. Die Tochtergesellschaft der MTU Friedrichshafen hat rund 145 Mitarbeiter, verteilt auf drei Branchen in Kapstadt, Johannesburg und Durban. Ich habe in der Finanz- und Controllingabteilung gearbeitet und übernahm dort sowohl buchhalterische Aufgaben als auch Projekte, hauptsächlich im Controlling. Ich fühlte mich richtig wohl, meine Kollegen waren sehr freundlich und hilfsbereit. Die Arbeitsmoral an sich ist nicht mit der so genannten „deutschen Tugend“ vergleichbar. In Deutschland wird mehr Wert auf Disziplin und Leistung gelegt, während die Entwicklung in Südafrika noch andauert.

In den ersten Wochen versuchten wir drei Praktikanten soviel wie möglich zu unternehmen. Wir haben natürlich die besten Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Zum Beispiel den Tafelberg, den wir zu Fuß bestiegen, was sehr anstrengend war, sich aber gelohnt hat. Der Blick über die City und das Meer ist einfach atemberaubend. Die Fahrt ans „Kap der Guten Hoffnung“ war auch eine Reise wert, nicht nur weil auf dem Weg dorthin der Auspuff unseres Mietwagens abgefallen ist. Mitten im Naturreservat versuchten wir, ihn wieder zu fixieren, beobachtet von Affen, Antilopen und Zebras. Leider funktionierte das nicht und wir beschlossen, den Auspuff im Kofferraum zu transportieren. Ohne Auspuff, dafür aber mit einem „Höllensound“ fuhren wir weiter. Leider war es am Kap sehr windig und bewölkt, aber es war trotzdem eindrucksvoll.

In Kapstadt kann man super ausgehen, ob zum Abendessen oder einfach um Party zu machen. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland relativ niedrig. Das Flair direkt am Strand bei einem Sonnenuntergang ein Abendessen zu genießen, ist unvergleichlich. Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Mentalität der Menschen. Die Kellner in Restaurants sind freundlicher als in Deutschland und bemühen sich um den Gast. Im Allgemeinen sind die Leute aufgeschlossener und ich habe mich sehr willkommen gefühlt. Das von vielen Leuten als „Regenbogennation“ bezeichnete Land bestätigt, dass hier viele unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, die Menschen aber trotzdem relativ friedlich miteinander leben und umgehen.

Auch wenn man in einem Land mit dem größten Reichtum-Armut-Gefälle lebt und eine gewisse Vorsicht angebracht ist, auch was das Verhalten im Verkehr angeht, habe ich mich niemals in Gefahr gefühlt. Ich habe meine Zeit sehr genossen und werde auf jeden Fall wieder nach Kapstadt zurückkommen, zumindest als Tourist. Ich kann ein Praxissemester in Südafrika nur weiterempfehlen, es ist eine Lebenserfahrung, die prägt.

Schon gewusst?

Südafrika wird auch die Regenbogennation genannt. Diese Bezeichnung rückt das multikulturelle Südafrika in den Blickpunkt. Die Bevölkerungszusammensetzung ist eine der komplexesten der Welt. Von der Gesamtbevölkerung von 45 Millionen sind fast 31 Millionen Schwarze, fünf Millionen Weiße, eine Million Inder und drei Millionen Farbige (coloureds). Als „Farbige“ wurden früher die Nachfahren der Khoisan, der Sklaven aus dem damaligen niederländischen Ostindien sowie Menschen mit gemischten Vorfahren bezeichnet. Trotz ständiger Bemühungen der Regierung und der Polizei und sinkender Trends hat das Land eine der höchsten Verbrechensraten weltweit. Die Gründe für die Kriminalität liegen hauptsächlich in den extremen Gegensätzen von armen, meist schwarzen, und reichen Bürgern in den Städten Südafrikas. (geh)





03.11.10
Students abroad in Konzepte

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