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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2009

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Student betreut RTL-Sendung


Ein Schweißtropfen versickert im Bund von Martin Maas´ T-Shirt. Die Sonne in den Badlands von South Dakota brennt erbarmungslos. Klapperschlangen züngeln durchs dürre Gras, es riecht nach Staub und heißer Luft. Die Riemen des 30 Kilogramm schweren Rücksacks schneiden in die Schultern des 23-Jährigen. Der Student der Sozialen Arbeit an der Hochschule Ravensburg-Weingarten hat sein Praxissemester in den USA verbracht und als Betreuer in einem Wildnistherapieprogramm für schwer erziehbare Jugendliche gearbeitet. Mit dabei war ein Kamerateam von RTL. Der Fernsehsender dokumentierte das Geschehen für die dritte Staffel der Sendung „Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen“.


„Den Platz als Betreuer habe ich durch Eigeninitiative bekommen“, erzählt Martin Maas. „Ich habe bei RTL angerufen und immer wieder nachgefragt. Dann hatte ich ein Vorstellungsgespräch in München und habe die Zusage bekommen.“ Die Akten der Teilnehmer lesen sich wie das Strafregister eines Schwerverbrechers. Von Drogenhandel bis zu Raub ist alles dabei. Deshalb musste Martin Maas im „Monarch Center for Family Healing“ in Colorado zunächst eine harte Trainingswoche durchlaufen, um mit den Teenagern arbeiten zu dürfen. „Ich wurde schriftlich, mündlich und praktisch geprüft und musste einen Selbstverteidigungskurs machen. Außerdem haben wir in Rollenspielen unser Verhalten in schwierigen Situationen trainiert.“

Beim Wildnistherapieprogramm in den Rocky Mountains geht es darum, dass die Jugendlichen in der freien Natur lernen, ihre alten Verhaltensmuster abzulegen und neue Perspektiven zu entdecken. Die erste Woche verbrachten die jungen Leute und ihre Betreuer auf 3.500 Meter Höhe in einen Nationalpark. Pumas, klirrende Kälte in der Nacht, heiße Tage und keine Spur von menschlichem Leben. Das machte den Jugendlichen, aber auch den Betreuern zu schaffen. Immer wieder schrillte nachts Zeltalarm durchs Lager, wenn einer der Jugendlichen einen Fluchtversuch unternahm oder einfach auf die Toilette musste. Die Stimmung im Camp war geladen, die jungen Leute provozierten Machtkämpfe oder versuchten die Betreuer anzugreifen. „In solchen Situationen musst du ihnen zeigen, dass du der Klügere und Stärkere bist.“

Abgeschottet in ihren Zelten, durften die Jugendlichen in den ersten Tagen nicht reden, sondern sollten über ihr Leben nachdenken. Zu essen gab es Trockengerichte, die mit gefiltertem Gebirgswasser zubereitet wurden. „Zum Glück hatten wir Betreuer eine etwas bessere Verpflegung, zum Beispiel Bagels, Wurst und Haferflocken. Und ich hatte schnell einen guten Kontakt zu den Kameraleuten, die nach Drehschluss ins Hotel gefahren sind. Die Reste vom Barbecue, die sie mir mitgebracht haben, habe ich heimlich in meinem Zelt gegessen“, verrät Martin Maas.

Doch auch ihn bringt das harte Programm an seine Grenzen. „Wir sind oft zwölf Stunden am Tag gewandert und das mit Rucksack, Zelt, Schlafsack, Essen, Trinken und Gruppenausrüstung.“ Auch die seelische Belastung war hoch. Kraft gab dem Studenten in dieser Zeit vor allem seine Freundin, mit der er lang telefonierte, sofern er mitten in den Rocky Mountains Handyempfang hatte. Nach und nach zeigten sich jedoch die ersten Fortschritte. Die jungen Leute bauten Kontakt zu ihren Betreuern auf und wuchsen als Gruppe stärker zusammen. Vor allem bei der Therapie mit Wölfen konnten die Teenager viel über sich selbst lernen. „Wölfe erkennen Stimmungen sehr gut und reflektieren sie. So konnten die Jugendlichen sehen, wie sie auf andere wirken“, erklärt der 23-Jährige.

Ihn beeindruckte vor allem ein Indianerreservat. In einer „sweatlodge“, einer Schwitzhütte, sollten die Teilnehmer eine symbolische Wiedergeburt durch die spirituelle Kontaktaufnahme mit Manitu erleben. „Ich habe mich noch nie so sauber und frei gefühlt. Davor war ich ziemlich am Boden, aber danach hatte ich viel Kraft und Energie. Es war wirklich wie eine Wiedergeburt.“

Die Kameras, die fast immer mit dabei waren, nahm keiner noch wahr. „Wir haben weder Emotionen noch Konfliktsituationen gestellt. Es ist ein reiner Tatsachenbericht und sollte kein Sensationsfernsehen werden“, sagt der Student. Die Sendung ist für den deutschen Fernsehpreis nominiert worden. Die Hälfte der jungen Leute bemüht sich inzwischen um einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum, bei der anderen Hälfte habe sich jedoch noch nichts Gravierendes verändert, so Martin Maas. „Die Strukturen in Deutschland sind immer noch dieselben und sie kommen nicht davon los“, erklärt er. Zu vielen hat er noch Kontakt und bemüht sich, ihnen aus der Ferne weiterzuhelfen. „Ich habe gelernt, dass man durch Reden viel erreichen kann und allein durch Worte Regeln aufzeigen kann.“

Vita:
Martin Maas, geboren 1985, machte ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Badischen Sportbund, bevor er Soziale Arbeit an der Hochschule Ravensburg-Weingarten studierte. In seiner Freizeit betreut er Sportgruppen und leitet Jugendfreizeiten, außerdem zählt reisen und Sport aller Art zu seinen Hobbys.

Von Christine Gehringer
Bilder © RTL




29.10.10
Students abroad in Konzepte

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