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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2011

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Studentische Erfahrungen in China und Indien


Die besten Gerichte, die ich in China gegessen habe, waren Schlange, Schildkröte, Hühnerzeh und Skorpione. Aber nicht nur Gerichte der etwas anderen Art überwältigten mich während meines Auslandssemesters in China. Kaum dort angekommen, dachte ich: Auf was habe ich mich da eingelassen? Überall nur chinesische Schriftzeichen, niemand der Englisch sprechen kann und Dutzende von Menschen, die einen nur anstarren.



Ferne Länder, speziell der asiatische Raum, interessieren mich schon seit meiner Kindheit. Deshalb nutzte ich die Möglichkeit, innerhalb meines Betriebswirtschaft/Management-Studiums an der Hochschule Ravensburg-Weingarten ein Auslandssemester an der Southeast-University in Nanjing und ein Praxissemester in Indien zu absolvieren. Länder so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Wer die chinesische Kultur verstehen lernt, fängt an, sie zu lieben. Die Eltern einer Kommilitonin luden mich zum Essen in ein Restaurant ein. Chinesen bestellen durchschnittlich 15 verschiedene Gerichte, die eine Suppe, Gemüse, Reis, Nudeln oder „chinesische Knödel“ sowie Fleisch und Fisch beinhalten. Mein Vorhaben „ich esse nur Hühnchenfleisch in China“ gab ich schnell wieder auf. Als Hühnchen wurde mir ein ganzes Huhn, zerlegt in Einzelteilen, aufgetischt. Essen zu gehen war immer wieder eine Überraschung, da ich oft nicht wusste, was ich selbst bestellt habe oder mir bestellt wurde. Manchmal war es vielleicht auch besser nicht zu wissen, was es ist.

Neben dem Studieren bin ich auch durch das Land gereist. In einem Zugabteil mit 50 anderen Chinesen zu schlafen, ist eine Erfahrung wert. Während meines fünfmonatigen Chinaaufenthalts besuchte ich unter anderem die Städte Shanghai, Beijing, Xian und Wuhan. In Xian habe ich die Terrakotta-Armee gesehen, was schon lange ein Traum von mir war. Wenn Chinesen mich und meine deutschen Bekannten auf der Straße gesehen haben, fragten viele, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Die Fotos zeigten sie später Freunden oder Verwandten und behaupteten, einen ausländischen Freund zu haben.

Nach meiner Rückkehr entschloss ich mich, noch einen Auslandaufenthalt dran zu hängen. Um die Vielfalt Asiens zu entdecken, fehlte mir noch das totale Kontrastland zu China, nämlich Indien. Bei der IT Firma Extentia Information Technology absolvierte ich ein fünfmonatiges Praktikum innerhalb der Abteilung Marketing und Vertrieb. Mit mir waren noch andere ausländische Praktikanten in diesem Unternehmen, die von allen Kontinenten stammten. Wir wohnten in einer voll ausgestatteten Wohnung, die westlichen Standards entsprach, und hatten eine eigene Putzfrau. Mit dem Roller ging es jeden Morgen auf zur Arbeit, vorbei an heiligen Kühen und Ochsen, vollbeladenen Rikschas, riesigen Lastwägen mit Menschen auf der Ladefläche sowie Indern, die auf der Straße sangen und feierten. Außerdem begleiteten uns jeden Morgen der Smog und die Melodie der Huperei.

Indien ist geprägt von großen Gegensätzen. Neben einer dicken Limousine stehen am Straßenrand bettelnde Straßenkinder. Es ist für jeden eine große Herausforderung, mit diesen Ungleichheiten klar zu kommen. Wenn ich die Inder mit den Chinesen vergleiche, würde ich sagen, dass das Auftreten der Inder nicht ganz so gastfreundlich ist. Die meisten Inder haben nur mit mir gesprochen, um mich entweder irgendwo hinzufahren, damit sie selber eine Provision erhalten, oder mir etwas zu verkaufen.

Trotzdem möchte ich diese beiden Aufenthalte nicht missen. Ich nahm Erfahrungen mit, die mich für das ganze Leben prägen werden. Mein persönlicher Rat an alle Studierende ist es, das Angebot der Hochschule wahrzunehmen und wunderschöne Monate in einem fremden Land zu verbringen. Ich habe mich selbst dabei verändert, bin erfahrener geworden und habe erkannt, dass es auch anders gehen kann.

Isabell Alber wurde 1987 in Tuttlingen geboren. Von 2006 bis 2010 studierte sie Betriebswirtschaftslehre/Management an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Momentan ist sie als Area Sales Manager in einem mittelständischen Medizinunternehmen tätig. Ihre Hobbys sind Tennis, Laufen und Schwimmen.

Text: Isabell Alber




08.07.11
Students abroad in Konzepte

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