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2011

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BWL-Studentin hat in Weingarten zweite Familie gefunden


„Als ich zum ersten Mal das Haus von meinen Gasteltern betreten habe, fühlte ich mich gleich zu Hause und ins Herz geschlossen“, erzählt Dina Grine, Austauschstudentin an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Das kann man der Lettin nachempfinden – auch an diesem Nachmittag, als Dina Grine im Wohnzimmer von Irene und Johannes Baiker sitzt, ist die Stimmung ausgelassen, und es wird viel gelacht. Die Wohnung duftet nach frisch gebrühtem Tee, der Tisch ist gedeckt mit Keksen und Früchten, ein bunter Blumenstrauß lässt an den Frühling denken, während es draußen eisig kalt ist und regnet. Die Baikers und die Studentin planen ihre nächsten Ausflüge. „Dieses Wochenende fahren wir zusammen zum Affenberg in Salem“, berichtet Irene Baiker.


Gemeinsam unternommen haben die Baikers mit ihrer Gasttochter schon vieles. Sie waren in der Therme in Aulendorf, luden die Lettin zum Raclette-Essen ein und besuchten zusammen eine internationale Turngala in der Oberschwabenhalle. An solche Momente erinnern auch einige Fotos, die auf der Kommode im Wohnzimmer stehen. Der Mexikaner Fausto Brondo, den die Familie das Jahr zuvor als Gastsohn aufgenommen hatte, strahlt dem Betrachter von einem Foto entgegen.

„Auf das Brother and Sister Program bin ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam geworden“, erwähnt Irene Baiker. „Ich finde es gut, dass die internationalen Studierenden Anschluss finden und sich in einer neuen Umgebung nicht so verloren fühlen.“ Außerdem profitieren die Gasteltern ebenfalls vom gegenseitigen Austausch der Kulturen. „Neulich habe ich mir ein Buch gekauft, um nachzuschlagen wie die lettische Flagge aussieht“, sagt Irene Baiker.

„Deutsche und Letten sind in ihrem Lebensstil gar nicht so verschieden“, stellt Dina Grine fest. Seit 2004 ist Lettland Mitglied in der europäischen Union. „Überraschend an Deutschland war nicht der Schnee“, lacht die BWL-Studentin. „Eher, dass die Deutschen mehr von sich preisgeben und offener über ihre Gefühle reden als die meisten Letten.“ Die 21-Jährige studiert in Riga „Economic and Comercial Diplomacy“an der University of Latvia. „Wenn ich neben dem Studium Zeit finde, gehe ich gerne ins Theater. Riga hat kulturell unglaublich viel zu bieten“, erzählt die Lettin. Ursprünglich stammt sie aus der Stadt Liepaja, die direkt an der Ostseeküste liegt. Ihre Begeisterung für Deutschland wurde durch ihren Vater geweckt, der einige Jahre in Hamburg studiert hat und deutsch spricht.

Mit der Ankunft ihrer Gasttochter hat sich Irene und Johannes Baikers Familie nicht nur um ein Mitglied, sondern gleich um zwei vergrößert. Zu Beginn ihres Aufenthalts in Weingarten hat sich die Lettin mit der Austauschstudentin Olya Pak aus Russland angefreundet. „Wir verstehen uns super und sehen uns so gut wie jeden Tag“, erzählt die 21-Jährige strahlend. Dass beide russisch sprechen, verstärkt das freundschaftliche Band. „Wir haben schon ausgemacht, dass ich sie einmal in St. Petersburg besuche.“ Auch die Kinder der Baikers werden in den internationalen Austausch eingebunden. „Uns war wichtig, dass Dina auch einmal jüngere Leute um sich hat, mit denen sie etwas unternehmen kann“, meint Irene Baiker. Der älteste Sohn Felix, der in Schwäbisch-Gmünd arbeitet, hat Dina Grine und Olya Pak zu einer Snowboardtour nach Österreich mitgenommen. Wenn der 20-Jährige am Wochenende nach Weingarten kommt, gehen die Drei oft tanzen.

„Ursprünglich hatte Dina vor, nur ein Semester in Weingarten zu bleiben. Zum Glück hat sie noch ein weiteres Semester drangehangen“, freuen sich Johannes und Irene Baiker. „Später möchte ich gerne in Deutschland arbeiten“, erzählt Dina Grine. Auf die Unterstützung ihrer in Weingarten gewonnenen Familie kann sie jetzt schon zählen.

Dina Grine, geboren 1988 in Sevastopol auf der Halbinsel Krim, studiert an der University of Latvia „Economic and Comercial Diplomacy“ im 5. Semester. Neben Schwimmen, geht die Lettin in ihrer Freizeit gerne ins Theater oder trifft sich mit Freunden.

Text: Lena Schmalisch




08.07.11
Students abroad in Konzepte

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