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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2011

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Eine Kenianerin über deutsche Gepflogenheiten


Stephen King, Barack Obama, Harry Potter und Oliver Twist: Bücher genau dieser Autoren und Titel stehen bei Jane Owuor im Regal. So vielfältig wie ihr Literaturgeschmack ist aus das Leben der 33-jährigen Kenianerin. Sie studiert im Masterstudiengang „Public Health“ an der Maseno University in Kenia, ist Mutter von zwei Kindern und hat jetzt die weite Reise nach Deutschland gewagt. Hier will sie, mit Unterstützung der Hochschule Ravensburg-Weingarten, das Gesundheits- und Pflegesystem kennenlernen.



„Bei uns in Kenia ist das Gesundheitssystem sehr schlecht, die meisten Menschen können sich einen Arztbesuch nicht leisten und bleiben deshalb zu Hause“, erzählt Jane Owuor. Beeindruckt ist sie deshalb von der deutschen Krankenversicherung. Eine funktionierende Krankenversicherung sei das A und O für das Wohl der Bevölkerung. Bei diversen Praktika wie bei der Bodensee Akademie, der Oberschwabenklinik oder in Vogt bei einer ambulanten Pflege konnte sich Jane Owuor Informationen und Tipps von Ärzten und Pflegekräften einholen.

Ratschläge allgemeiner Art gab’s bei der Orientierungswoche des International Office der Hochschule. „Die Einführung war wirklich sehr liebevoll gemacht und gerade in der etwas schwierigen Anfangszeit konnte ich immer mit Hilfe rechnen“, erinnert sich die Kenianerin. Was anfangs so schwierig war? – „Ich war einfach sehr ängstlich, weil ich überhaupt nicht wusste, was mich hier erwartet, wie die Leute auf mich reagieren und ob ich ohne Deutschkenntnisse zurechtkomme.“

Die Ängste wurden Jane Owuor schnell genommen: An der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege hatte sie immer genügend Ansprechpartnerinnen, und in Daniela Kahlke hat sie eine Freundin gefunden. „Daniela hat mich sogar mit zu einem Besuch bei ihrer Großmutter genommen, und auch wenn mein Deutsch wirklich nicht gut ist, haben wir uns prima verstanden. Gerade mit älteren Menschen, die mir während meiner verschiedenen Praktika begegnet sind, ist mir etwas aufgefallen: Manchmal muss man nicht reden, um zu kommunizieren.“

Was ihr von Weingarten in Erinnerung bleibt? Sie wurde oft, wenn sie nach dem Weg gefragt hat, von anderen Studierenden oder Weingartnern begleitet, anstatt eine flüchtige Antwort zu bekommen. Aber nicht nur wortwörtlich hat Jane Owuor ihre Ziele erreichen können, auch ihre anfängliche Unsicherheit hat die Kenianerin schon nach ein paar Wochen überwunden. Bei der Weihnachtsfeier des International Office hat sie vor allen Anwesenden ein Weihnachtslied zum Besten gegeben. „Obwohl ich keine Super-Sängerin bin, war es mir ein Bedürfnis, die Feier aktiv mitzugestalten und meine Gefühle auszudrücken.“

Warum hier alle so freundlich sind und eigentlich gar nicht so anders als die Menschen in Kenia, liegt ihrer Meinung nach daran, dass die Hochschule viele internationale Studierende beheimatet. „Die gehören hier einfach ins Stadtbild, und niemand reagiert irgendwie komisch“, meint sie. Etwas überraschend kommt dennoch ihr Bild von den Deutschen daher: „Ihr seid ein sehr stolzes Volk und erhaltet bewusst eure Kultur“, erklärt sie. Und dann liefert die 33-Jährige den Beweis: „Auf dem Oktoberfest sind fast alle Leute ganz traditionell angezogen, und auch hier in Weingarten an Fasnet machen fast alle mit und tragen traditionelle Kostüme.“

Grinsend fällt ihr dann aber doch noch ein Unterschied zu Kenia ein. Es stimme, was alle über die Deutschen sagen, diese seien wirklich sehr pünktlich. Etwas ärgerlich ist diese Mentalität für sie schon, die nicht immer auf die Minute plant: „Sogar die Busse sind pünktlich!“ Den einen oder anderen Bus hat sie deswegen schon verpasst. Das hält sie jedoch nicht ab, sich auch in Zukunft für Deutschland zu begeistern. Um sich noch mehr Wissen anzueignen, möchte sie wieder hierher kommen, um zu promovieren.

Jetzt freut sie sich aber erst mal darauf „die eigene Erde wieder zu betreten“. Jane Owuor will unbedingt dazu beitragen, dass sich das Gesundheitssystem in ihrer Heimat verbessert. Deswegen ist geplant, dass sie ihr Wissen in Workshops und Seminare weitergibt. „Ich kann die Dinge nicht allein ändern, aber es muss sich etwas ändern!“, weiß die Kenianerin. Einer ihrer Lieblingsautoren Charles Dickens hat mit „Oliver Twist“ geschafft, die Diskussion über eine Verbesserung der Armengesetze in England anzufachen. Gut 160 Jahre später geht Jane Owuor fest entschlossen nach Kenia, um ein Stück dazu beizutragen, dass dort die arme Bevölkerung eine bessere Krankenversorgung bekommt.

Jane Owuor, Jahrgang 1977, wurde in Kisumu, Kenia, geboren. Die Mutter von zwei Kindern studiert im Masterstudiengang „Public Health“ an der Maseno University in Kenia. Ihre Hobbys sind Volleyballspielen, Lesen, Reisen und neue Menschen kennenlernen.

Text: Uta Heinemann




07.07.11
Students abroad in Konzepte

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