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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2011

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Technik-Manager studiert in Finland


Eine Postkarte vom Polarkreis zu bekommen und dann auch noch vom Weihnachtsmann, passiert nicht alle Tage. Das hat sich die Familie von Uwe Bentner gedacht, der für ein Semester an der Rovaniemi University of Applied Sciences in Lappland studierte. Zwischen vier Meter hohen Schneemännern, Rentieren und Polarlichtern traf der Technik-Management-Student auf den wahren Weihnachtsmann. „Eigentlich sind es drei Weihnachtsmänner, die im Schichtbetrieb arbeiten“, lacht der 24-Jährige. „Meiner sprach deutsch und wusste alles über deutsche Automarken.“



Das war nicht die einzige Überraschung, die auf den Studenten in Finnland wartete. Trotz eisiger Kälte im Dezember und einer Straße, die von einer dicken Eisschicht überzogen war, fuhren fast alle Studierenden mit dem Rad. „Viele Leute können sich wegen der Luxussteuer ein Auto nicht leisten. Selbst alte Menschen wagen sich bei Eisglätte aufs Rad“, erzählt Uwe Bentner.
Im Winter müssen für die Menschen am Polarkreis drei Stunden Tageslicht ausreichen. „Der Himmel war die ganze Zeit über grau, nachts rot eingefärbt“, erinnert sich der TM-Student. Deshalb enden die letzten Vorlesungen um 18 Uhr, dann das Uni-Gebäude abgesperrt. An diesen Rhythmus hat sich Uwe Bentner schnell angepasst. „Wenn eine Sauna im Studentenwohnheim wartet, dann geht man gerne früh nach Hause“, meint er.

Ein etwas anderer Rhythmus zeichnete sich auch im Lehrplan ab. Jeder Dozent erstellte einen individuellen Stundenplan. „Es gab keinen festen Klausurenzeitraum, manchmal fanden mitten im Semester Prüfungen statt“, berichtet der Student. Danach startete ein anderer Professor mit seiner Vorlesung. Insgesamt erlebte Uwe Bentner eine familiäre Atmosphäre. „Alle Studierenden waren mit den Professoren per Du“.

Verständnisprobleme gab es keine, denn die Seminare wurden auf Englisch gehalten. In Finnland müssen die Studierenden keine Studiengebühren zahlen und bekommen in vielen Bereichen Vergünstigungen. „Für eine Zugfahrt von Rovaniemi nach Helsinki, etwa 850 Kilometer, habe ich nur 40 Euro gezahlt“, sagt der gebürtige Ulmer.

Touren durch das Land hat Uwe Bentner viele unternommen. „Ich wollte unbedingt Polarlichter sehen“, erzählt er. Auf dem Wochenendtrip ans Nord-Kap nach Norwegen hat ihn seine aus Freundin begleitet. Die Fahrt entwickelte sich zu einer richtigen Rutschpartie. „Die Finnen haben uns ganz komisch angeschaut und gefragt, warum ich mit Sommerreifen fahre“, berichtet der Student. In Finnland ist es im Winter üblich, mit Spikes auf den Reifen zu fahren. Auf ihrer Fahrt begegneten sie einer Gruppe von Rentieren. „Sie blieben einfach mitten auf der Fahrbahn stehen und beäugten uns neugierig“, erzählt Uwe Bentner.

„Finnen sind sehr mit der Natur verbunden und achten auf ihre Umwelt“, sagt der 24-Jährige. Anders als es der Student im ersten Moment erwartet hatte, traten ihm die Menschen hilfsbereit und offen gegenüber. „Die Finnen sind etwas wortkarger als die Deutschen, zur Begrüßung und Verabschiedung sagen sie zum Beispiel nur hey und hey, hey“, erklärt der Student.

Für Uwe Bentner war es ein spontaner Entschluss nach Finnland zu gehen und fast wäre es nicht dazu gekommen. „Ich sah nicht ganz den Mehrwert hinter einem Auslandsaufenthalt, doch heute bin ich mir sicher, dass ich damit die beste Entscheidung während meines Studiums getroffen und ein großes Stück Lebenserfahrung mitgenommen habe“, sagt Uwe Bentner.

Uwe Bentner
wurde 1985 in Ulm geboren. Seit dem Wintersemester 2007/2008 studiert er an der Hochschule Ravensburg-Weingarten Technik-Management. Derzeit absolviert er sein Praxissemester bei der Firma General Electric Healthcare IT. Seine Hobbys sind Mountainbiking und Reisen.

Text: Lena Schmalisch




08.07.11
Students abroad in Konzepte

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