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Öffentlichkeitsarbeit
und Wissenschaftskommunikation

2011

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Zwei Nepalesen treffen sich in Weingarten


Eines fällt schon nach wenigen Minuten auf: Kaum sind ein paar Sätze mit Ujwola Shrestha und Thakur Adhikari aus Nepal gesprochen, ist klar, wie geradlinig und zielgerichtet beide sind. „Deutschland ist bekannt für seine gute technische Ausbildung, und unser Land braucht Ingenieurinnen und Ingenieure, deshalb sind wir hier“, legt Ujwola Shrestha dar. Früher wollte sie Architektin werden, aber inzwischen weiß sie, dass Nepal Ingenieure braucht. Also hat sie beschlossen, „Electrical Engineering and Information Technology“ an der Hochschule Ravensburg-Weingarten zu studieren.



Thakur Adhikari studiert das Gleiche, nur hat er sich für den deutschen Studiengang „Elektrotechnik und Informationstechnik“ entschieden. An der Universität des Saarlandes in Saarbrücken hat er am Studienkolleg Deutsch gelernt und kann sich ohne Probleme in der Sprache seiner jetzigen Wahlheimat verständigen. Mit Ujwola Shrestha redet er natürlich nepalesisch, wenn andere Leute zuhören, wechseln sie ins Englische.

„Er liest den ganzen Tag und versinkt in seinen Büchern und Zeitungen“, beschreibt Ujwola Shrestha die Politikversessenheit ihres Freundes. „Ich will eben alles ganz genau wissen und will bestens informiert sein, was in der Welt passiert“, verteidigt sich der 23-Jährige. Thakur Adhikari hat nämlich sehr genaue Vorstellungen, wie seine Zukunft aussehen soll.

Sein Plan: Sich reichlich Wissen in Deutschland aneignen und genausten abschauen, wie in USA und Europa Politik gemacht wird. „Bei uns in Nepal gibt es zu viele Parteien im Parlament, das kann ja nicht gutgehen!“ Nach seinem Studium will der Nepalese viel arbeiten, Vieles in seinem Land voranbringen und viel Geld verdienen, weil man das als sicheres Polster braucht. „Bis ich 40 Jahre alt bin, hab ich dann genug verdient“, schätzt der Elektrotechnikstudent. Dann möchte er nicht mehr als Ingenieur arbeiten, sondern Politiker in Nepal werden, „denn nur Politiker können ein Land wirklich verändern.“

Bis jetzt hat sich Ujwola Shrestha alles ganz ruhig angehört, nun fällt sie ein: „Ich will mein Land auch verändern, ganz konkret wünsche ich mir, dass Frauen gleiche Rechte und Chancen haben wie Männer, aber mein Leben will ich dafür nicht aufgeben!“ Die junge Nepalesin hat kommt aus einer Großfamilie, in der alle Mitglieder gebildet sind – außer die weiblichen. Sie ist die erste, die, genau wie ihre beiden Brüder, studiert. Ihr sind die Vorstellungen ihres Landsmannes zu sehr auf eine Karriere ausgerichtet: „Wann bleibt denn bei Dir Zeit für die Familie und für Freunde?“ – „Wenn man etwas haben will, muss man dafür auf etwas Anderes verzichten!“, bekommt die 21-Jährige zur Antwort.

Obwohl auch Thakur Adhikari Teil einer großen Familie ist, würde er auf eine eigene verzichten. Er erzählt stolz, dass einer seiner Brüder in den USA arbeitet und ein anderer Reiseführer in Nepal ist. Seine einzige Schwester und der vierte Bruder studieren auch. Trotzdem er sich eng verbunden fühlt mit seiner Familie, können sich er und Ujwola in diesem Punkt nicht einigen. Ujwola Shrestha sieht die Verantwortung für ihr Land auf den Schultern aller liegen: „Manche Leute sind in Nepal etwas engstirnig und sehen nur sich selbst, aber alle müssen helfen, damit sich etwas ändern kann“, ist sie überzeugt. Damit das funktioniere, müsse die Bildung in Nepal das gleiche Niveau erreichen wie in Deutschland.

Aber auch bis sich ihr Land in bestimmten Punkten verbessert hat, bleibt es der Lieblingsort der beiden Nepalesen, nach dem sie sich sehnen. „In Nepal ist jeder Platz anders und es gibt so viel unglaublich Schönes zu entdecken“, schwärmen beide. In Deutschland scheinen die Menschen recht einsam zu sein, in Nepal ist das nicht vorstellbar, alle leben in Großfamilien. Beim Thema Familie leuchten die Augen von Ujwola Shrestha, und sie erklärt: „Deshalb fühlen wir uns hier so wohl: Die Hochschule kümmert sich sehr gut um uns, fast wie eine Familie.“

Thakur Adhikari wurde 1988 in Dhading geboren. Er ist seit September 2007 in Deutschland und studiert im dritten Semester Elektrotechnik und Informationstechnik. Seine Hobbys sind Zeitunglesen, Reisen sowie Badminton-, Volleyball- und Fußballspielen.

Ujwola Shrestha,
wurde 1989 in Kathmandu geboren. Sie studiert Electrical Engineering and Information Technology im vierten Semester. Ihre Hobbys sind historische Romane, Basteln mit Papier und Holz und Zeit mit ihren Freunden verbringen.

Text: Uta Heinemann




08.07.11
Students abroad in Konzepte

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